Wie entsteht ein Wörterbuch?

Wörterbücher gibt es in den verschiedensten Arten. Sei es als Fremdwörterbuch, in dem sich die Bedeutung des Wortes "Furt" erklären lässt oder als Herkunftswörterbuch, um nachzuschlagen, wo etwa das Wort Abenteuer herstammt. Wie ist das aber mit Sprachen, die längst nicht mehr gesprochen werden? Um das zu erfahren, informierten sich die Jung-Redakteure der Kinder-Uni im Netz einmal vor Ort. Schließlich gibt es in Heidelberg das Romanische Seminar, an dem ein Wörterbuch des Altfranzösischen entsteht.

"Altfranzösisch wurde im Mittelalter gesprochen", erklärte Dr. Stephen Dörr. Dass Französisch zu den Romanischen Sprachen gehört und sich vom Lateinischen ableitet, war den kleinen Journalisten längst klar, denn viele von ihnen haben Latein in der Schule. Altfranzösisch ist wie das Althochdeutsch ein Vorgänger der heute gesprochenen Sprachen. Aber wozu ist ein Wörterbuch des Altfranzösischen notwendig? "Um die alten Dokumente zu verstehen und das ist beispielsweise für die Geschichtsforschung wichtig", gab Stephen Dörr gleich die Antwort.

Altfranzösisch war im Mittelalter übrigens keine exotische Sprache, sondern neben dem Lateinischen die damals wohl wichtigste Sprache. Immerhin gibt es heute noch etwa 20000 Texte in Altfranzösisch. In Althochdeutsch oder auch in dem im Mittelalter gesprochenen Englisch sind nur ein Bruchteil an Texten davon erhalten. Die alten Texte stellen auch die Grundlage für die Erstellung des altfranzösischen Wörterbuchs dar und sie erzählen von Kreuzzügen, Reisen, Liebe und vielen anderen alltäglichen Dingen. Beispielsweise über das Kochen. "Wir haben auch schon einmal eines der Rezepte nachgekocht", erzählte Stephen Dörr. Sogleich räumte Professor Frankwalt Möhren auch mit dem Vorurteil auf, dass die Menschen im Mittelalter sehr dreckig gewesen seien. "Beim Essen gab es auch Benimmregeln wie etwa zum Putzen der Nase nicht das Tischtuch zu benutzen", betonte der Leiter der Forschungsstelle am Romanischen Seminar.

Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich meistens schon aus dem Vergleich mit dem Lateinischen. "Im Lateinischen bedeutet ciconia Storch", erklärte Dr. Sabine Tittel, ebenfalls Redakteurin des Langzeitprojektes der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Außerdem sind in den alten Büchern wunderbare Zeichnungen vorhanden und dort wo das altfranzösische Wort "cigogne" steht, ist auch ein Storch abgebildet. Doch scheint mit "cigogne" nicht immer ein Storch gemeint zu sein. So gibt es einen Text, in dem mit einem "cigogne" Wasser aus dem Brunnen geschöpft wird und in einem anderen Text wird mit dem "cigogne" eine Burgmauer erklommen. Somit steht cigogne auch für ein Schöpfgerät und für eine Art Kran.

Außerdem wird cigogne ganz unterschiedlich geschrieben, da gibt es beispielsweise die Versionen ciguigne, cegoigne, cyoigne oder cycoingne. All das halten die Mitarbeiter von Frankwalt Möhren auf Zetteln fest. Mittlerweile gibt es 1,3 Millionen dieser Zettel und sie sind alle in Karteikästen in einem Raum untergebracht. Natürlich alphabetisch geordnet, sonst ließe sich ja nichts wiederfinden. Die Informationen auf den Zetteln werden dann in das eigentliche Wörterbuch übertragen. Derzeit werden die Buchstaben J und K fertig gestellt. Angefangen wurde das dictionnaire étymologique de lŽancien français allerdings nicht beim Buchstaben A sondern mit dem G. "Beim G gibt es nämlich die meisten Einträge", erläuterte Stephen Dörr und so ist das G auch ein richtig dicker Wälzer.