Der Homo heidelbergensis (Heidelbergmensch) ist möglicherweise ein früher Vorfahre des heutigen Menschen Homo sapiens (so werden in der Wissenschaft die mit Vernunft begabten Menschen genannt.
Homo ist Latein und heißt Mensch, sapiens heißt klug, vernünftig). Der Unterkiefer des Homo heidelbergensis wurde 1907 in der ehemaligen Sandgrube Grafenrain bei Mauer durch den Arbeiter Daniel Hartmann gefunden. Dieser Fund war für die damalige Zeit eine Sensation und so rief Daniel Hartmann auch aus "Heute habe ich den Adam gefunden".
Die Hoffnung weitere Knochen des Homo heidelbergensis zu finden, erfüllten sich zwar nicht. Es wurden jedoch zahlreiche Tierknochen gefunden, aus denen sich die Umwelt des Homo heidelbergensis gut rekonstruieren lässt.
So lebte der Homo heidelbergensis zusammen mit Waldelefanten, Waldnashorn, Wildpferd, Hirsch, Reh, Elch, Wildschwein, Flusspferd, Biber und Wildkatze.
Diese Tiere bildeten sicherlich teilweise eine Nahrungsquelle für den Homo heidelbergensis.
Die weiteren Knochenfunde von Bär, Wolf, Leopard, Säbelzahnkatze und Hyäne zeigen, dass der Lebensraum des Homo heidelbergensis nicht ungefährlich war.
Aber nicht nur die Tierwelt war etwas anders als heute, auch die Landschaft sah anders aus. Denn der Neckar floss teilweise nicht in seinem heutigen Bett, sondern bildete eine weite Schlinge bis nach Mauer aus. So wurden die Sande, in denen der Unterkiefer des Homo heidelbergensis gefunden wurde, auch einstmals von dem Urneckar angeschwemmt.
Zur Jagd benutzte er wahrscheinlich Speere aus Holz. Die Werkzeuge wurden aus Stein hergestellt. Sehr wahrscheinlich kannte der Homo heidelbergensis auch schon das Feuer, um sich zu wärmen und um das Essen zuzubereiten. Auch könnten die Urmenschen sich bereits mit einer Art Sprache untereinander verständigt haben. Allerdings dürfte diese Sprache nicht so kompliziert gewesen sein, wie unsere heutige. Da der Homo heidelbergensis auch noch nicht in der Lage war Stoffe herzustellen, war er wahrscheinlich auf Tierfelle als Kleidungsstücke angewiesen. Genauso wenig standen ihm die heutigen Baumaterialien zur Verfügung. Deshalb lebte er in einfachen Behausungen und wo es möglich war auch in Höhlen. Leider weiß man über die Zeit, in der der Homo heidelbergensis lebte, noch sehr wenig. Die Gegenstände, die der Urmensch herstellte, sind mit Ausnahme der aus Stein nämlich meistens zerfallen.
Nachdem 1907 der erste Fund des Homo heidelbergensis in Mauer gemacht wurde, konnten in verschiedenen anderen Orten, so beispielsweise in Tautavel (Süd-Frankreich), Atapuerca (Nord-Spanien) und Boxgrove (Süd-England) Knochen der Menschenart des Homo heidelbergensis gefunden werden. Diese belegen, dass die Art des Homo heidelbergensis über große Bereiche Europas verbreitet war und dort zwischen 800000 und etwa 450000 Jahren vor heute lebte, bevor der Neandertaler (Homo neanderthalensis) ihn ablöste. Dieser wurde schließlich vor etwa 40000 Jahren allmählich von dem heutigen Menschen (Homo sapiens) verdrängt.
Das Alter des Homo heidelbergensis von Mauer lässt sich leider nicht ganz genau festlegen. So könnte er in einer Warmzeit gelebt haben, die vor 621000 bis 568000 Jahren stattfand oder in einer Warmzeit zwischen 528000 und 474000 Jahren.
Die Menschenart des Homo heidelbergensis lebte zu einer Zeit, in der der Wechsel von Kalt(Eis)- und Warmzeiten den Lebensraum für den Urmenschen vorgab. Während der Kaltzeiten drang das Eis von Norden kommend bis weit nach Norddeutschland vor (bis etwa zu einer Linie Bremen - Wolfsburg - Magdeburg). In diesen, von einem dicken Eispanzer bedeckten Gebieten war das Überleben kaum möglich. Wenn auch die Gegend um Heidelberg/Mauer nicht von Eis bedeckt war, so war sie während der Eiszeiten doch nicht sehr lebensfreundlich (vergleichbar etwa mit Nordskandinavien). Es war nämlich relativ kalt und nur wenige Tier- und Pflanzenarten, die dem frühen Menschen als Nahrung dienten, kamen hier vor. Somit war der Lebensraum des frühen Menschen während der Eiszeiten auf wesentlich südlicher gelegene Gebiete beschränkt (Süd-Frankreich, Spanien, Italien). Während der Warmzeiten allerdings, wenn sich das Eis, so wie heute, an die Polregionen zurückgezogen hatte, konnte der frühe Mensch zusammen mit Tieren und Pflanzen nach Norden in unsere Region vordringen. So bildeten sich hier ausgedehnte Laubwälder in einem regenreicheren und etwas wärmeren Klima als heute.
Die Bilder stammen aus dem demnächst erscheinenden Kinderbuch "Spur in die Urzeit", Astaria Verlag, Heidelberg