Ob im Fußballstadion, der Schule oder im häuslichen Umfeld, Gewalt ist überall ein Thema. So haben sich auch die Nachwuchs-Journalisten der Kinder-Uni im Netz diesem Problem angenommen. Mit Meinolf Hartmann hatte man sich gleich einen richtigen Experten in die Redaktion eingeladen. Schließlich ist er als Anti-Gewalttrainer und Therapeut seit vielen Jahren tätig, unter anderem in dem Heidelberger Verein "JederMann" (www.jeder-mann.org), der sich der Arbeit gegen Männergewalt verschrieben hat. Dabei gibt Meinolf Hartmann beispielsweise ein spezielles Anti-Gewalt-Training in Schulen.
Wie ein solches Anti-Gewalt-Training aussehen kann, zeigte Meinolf Hartmann den Jung-Redakteuren sogleich an einem praktischen Beispiel. "Stellt euch vor, es kommt jemand auf euch zu, ihr fühlt euch von ihm bedroht und wollt nicht, dass er euch zu nahe kommt", schilderte der Anti-Gewalttrainer eine durchaus typische Alltagssituation, bei der es zur Ausübung körperlicher Gewalt kommen kann. Die Situation wird gleich in einem Rollenspiel durch Jungredakteur Benny und Meinolf Hartmann nachgestellt. Damit klar ist, dass es nur ein Spiel ist, verneigen sich die beiden zunächst voreinander, um sich so gegenseitigen Respekt zu bezeugen. Nun geht Meinolf auf Benny zu und der ruft "Stopp" als Meinolf ihm zu nahe kommt. Meinolf Hartmann bleibt etwa einen halben Meter von Benny entfernt stehen, hat aber sofort einen Tipp wie Benny noch besser klar machen kann, dass sein Gegenüber ihm nicht zu nahe tritt. "Strecke einfach die Hand nach vorne und sage dabei laut und deutlich Stopp", erklärt Meinolf Hartmann.
Das funktioniert wesentlich besser, wie die Wiederholung der Situation mit dem neuen Stopp-Befehl zeigt. Allerdings sollte das Wort Stopp nicht etwa gebrüllt oder geflüstert werden, dann erzielt es keine oder sogar die falsche Wirkung. Auch sollte die Hand dem Gegenüber nicht in Richtung Gesicht gestreckt werden, dass könnte dieser als aggressive Handlung auffassen.
Die Jungredakteure haben schon ihre eigenen Erfahrungen mit Gewalt gemacht und dazu gehört auch das Mobbing. "Beleidigungen und Mobbing machen nur Spaß, wenn der andere darauf reagiert und sich aufregt oder wegläuft", zeigt Meinolf Hartmann einen wichtigen Mechanismus des Mobbing auf. Um zu mobben wird deshalb jemand gesucht, der beispielsweise schwach oder dick ist und nicht selbstbewusst. Und richtig verloren hat der Betroffene, wenn er sich schließlich selbst mobbt. "Wie funktioniert denn das", wollen die neugierigen Steppkes der Kinderredaktion gleich wissen.
"Stellt euch vor, alle sagen zu einem Fußballspieler er könne nicht richtig Fußball spielen", gibt Meinolf Hartmann ein Beispiel dafür. Wenn das ein viertel Jahr so geht und bei jedem kleinen Fehler, den der Fußballer macht, das auch noch betont wird, dann glaubt der Fußballer schließlich selbst daran und redet sich ein, er könne kein Fußball spielen.
Doch der Anti-Gewalt-Trainer kennt natürlich Auswege aus solchen Situationen. "Mobbing geschieht heimlich, deshalb muss man darüber reden und es öffentlich machen", gibt er einen Tipp. Man muss jedoch auch lernen daraus auszusteigen und beispielsweise vor einer Situation nicht mehr davonlaufen oder sich aufregen. Da helfen etwa Atemübungen, um die Kontrolle über sich selbst zu behalten.
Immer häufiger wird in den Medien über das Thema Gewalt und Mobbing in Schulen berichtet. Ein wichtiges Thema, das inzwischen für viele Kinder und Jugendliche zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Aus diesem Grund befassten auch wir uns mit diesem Thema. So hatten wir von der Kinder-Uni im Netz Gelegenheit den Anti-Gewalttrainer Meinolf Hartmann zu interviewen. Meinolf Hartmann berichtete sehr eindrucksvoll von seinem Anti-Gewalt-Training für Schulen. Dabei wurde deutlich wie Gewaltsituationen (wie auch das Mobbing) entstehen und was die Betroffenen dagegen tun können. Durch spezielle Rollenspiele können Verhaltensweisen, die in solchen Situationen hilfreich sind, eingeübt werden. Ein sehr gelungener und interessanter Nachmittag!