Immer mehr Menschen sind im weltweiten Computer-Netz, genannt
Internet, unterwegs. Doch wie es funktioniert, das wissen nur die wenigsten.
Die Redaktion der Kinder-Uni im Netz ist jetzt ein bisschen schlauer. Zu
verdanken ist das Sven Schimmel. Der Heidelberger bietet
Forschungswerkstätten für Kinder und Jugendliche an und weiß fast alles rund
um die elektronische Kommunikation.
Damit aber nicht genug, gemeinsam mit Hansjörg Herrenknecht von der im
Pfaffengrund ansässigen Firma MEG durften die neugierigen Redakteure auch
einen Blick in den Serverraum der Firma am Kurpfalzring werfen. Server sind
Computer, die dafür sorgen, dass das Netz funktioniert. Dort laufen
Millionen und Abermillionen von Daten von Firmen, Laboren und
Forschungseinrichtungen zusammen, werden verteilt und gespeichert. Das Ganze
ist eine Art Hochsicherheitstrakt und sehr ausgeklügelt.
Die Kinder-Uni im Netz ist eine Plattform im Internet. Da wundert es nicht,
dass die dafür ins Leben gerufene Kinder-Redaktion wissen wollte, wie das
eigentlich geht. Was passiert also, bis beispielsweise die Internetseite der
Kinder-Uni im Netz auf den Bildschirm flimmert? Zuerst ist ein Computer
nötig und der wiederum braucht einen Anschluss ins Internet. Ein Modem
beispielsweise ist mit der Telefonleitung, dem Stromnetz und dem Computer
verbunden. Wenn der Nutzer ins Internet will, baut das Modem erst einmal die
Verbindung mit dem so genannten Provider auf. Das sind Firmen, die Computer
über die Telefonleitung mit dem Internet verbinden.
Beim Provider stehen in riesigen, gut gekühlten Hallen jede Menge Rechner.
Die wiederum stellen die Verbindung zwischen dem Kunden und dem Internet
her. Der Provider selbst ist mit mehreren anderen verbunden, so entsteht ein
Netz, das "World wide web" eben.
Für die Dauer der Verbindung erhält dann der Computer des Internetnutzers
eine Nummernfolge, die IP-Adresse. Das ist die Lieferadresse für Webseiten
oder Chat-Nachrichten. Die Provider haben meistens weniger IP-Adressen
eingekauft als sie Kunden haben. Deshalb erhält man bei der Einwahl jedes
Mal eine andere Nummer.
Bekommt der Provider dann die Seite genannt, die im Internet gewünscht wird,
beispielsweise www.kinder-hd-uni.de, dann
muss er sich kräftig sputen. Da es jede Menge verschiedener Provider geben
kann, auf der die Seite liegt, muss der Provider bei Auskunfts-Computern
(Namensservern) nachfragen. Nun weiß der Computer endlich, welche Nummer die
gewünschte Internetseite hat. Um die aber auf dem PC zu Hause darstellen zu
können, muss er erst eine Anfrage an den Server schicken, auf dem die Seite
abgelegt ist. Dort muss die Seite abgeholt werden. Der Server stellt die
Inhalte der Seite zusammen und dann geht sie zurück und die Verbindung ist
geschafft.
Die elektronische Datenübermittlung besteht im Prinzip nur aus der
Kombination von zwei Zeichen, nämlich 0 und 1. Allein der Buchstabe A
benötigt schon sechs dieser Impulse und so sind es natürlich riesige
Datenmengen, die da transportiert werden.
Deshalb, so Sven Schimmel, werden die Datenpakete unterteilt und über
verschiedene Wege zum anderen Rechner geschickt. Der Paketdienst heißt
"Router" und transportiert seinen Auftrag bis zum nächsten Provider, saust
dann zurück und gibt Nachricht, dass er seinen Job erledigt hat.
So suchen sich die Daten immer den schnellsten Weg. Das ist aber nicht immer
der kürzeste. "Manchmal", so Computerexperte Schimmel, "geht auch eine
Verbindung von Heidelberg nach Mannheim über Frankfurt, wenn die direkte
Verbindung gerade belegt ist". Eine Anfrage bei "Disney" geht von Heidelberg
nach Frankfurt, nach London, von dort über den Atlantik nach Washington und
dann nach Orlando. Und das alles in wenigen Sekunden. "Da hat man schon ein
bisschen Verständnis, wenn das ein bisschen dauert", sagte Sven Schimmel,
"die Daten müssen ganz ordentlich flitzen".Doch in der Computertechnik rast
die Entwicklung noch immer. Hansjörg Herrenknecht hatte dafür ein Beispiel
aufgebaut. Ein drei Jahre alter Server ist in etwa zehn Mal so groß wie ein
heutiger. Das Besondere bei diesen Computern: Fast alles, sogar die
Festplatte, kann bei laufendem Betrieb ausgetauscht werden, weil es überall
Sicherungssysteme gibt.
Im Serverraum der MEG gibt es ein raffiniertes System der Luftkühlung. Vom
Fußboden bläst die kühle Luft in den Raum. Schränke an Schränke mit teuren
Computer reihen sich hier. 100000 Euro ist allein der 2,4 Terrabyte
umfassende Computer wert, der die Daten sichert. Da wundert es niemanden,
dass das Unternehmen abgeschottet ist wie eine Bank. Damit die Elektrizität
nie knapp wird,, hat MEG gleich drei Stromkreise und ein doppeltes
Batteriesystem noch dazu. Wenn das auch nichts nützt, würden die Stadtwerke
auch noch ganz schnell einen Generator mit Diesel bringen. Dann hätte aber
schon ganz Heidelberg keinen Strom mehr.
INFO: Sven Schimmel und seine
Forschungswerkstatt ist unter Telefon 06221/588030 oder per Mail unter
Sven.Schimmel@ippos.net erreichbar