Robin Hood - lebte der nicht im Mittelalter? Richtig, und wer schon einmal einen Film um den edlen Räuber, der im Wald von Sherwood wohnte, gesehen hat, weiß, dass damals nicht nur mit Schwertern gekämpft wurde. Auch Pfeil und Bogen waren typische Waffen des Mittelalters. Anlass genug für die Redaktion der Kinder-Uni im Netz sich einmal mit dem Bogenschießen zu beschäftigen. Als Experte hatte sich die Redaktion Thomas Meffert eingeladen, der selbst Bogenschütze ist und zwar mit Pfeil und Bogen, wie sie im Mittelalter verwendet wurden.
"Das Bogenschießen wurde nicht im Mittelalter erfunden", erklärt Thomas Meffert. Bereits vor etwa 20.000 Jahren besaß die Menschen einen Bogen. Allerdings war der nicht aus Holz gefertigt, sondern bestand aus einem Knochen. Und statt eines Seils, um den Bogen zu spannen, verwendeten die Menschen damals Tiersehnen. Diese Art Bogen vertrug aber keine Feuchtigkeit, da sich sonst die Tiersehne auflöste.
"Der erste Bogen aus Holz wurde vermutlich vor 8000 Jahren in Dänemark hergestellt", fährt der Bogenspezialist Meffert fort. Richtig kultiviert wurde das Bogenschießen aber erst im Mittelalter in England und deshalb werden auch die Angaben über die Kraft, die notwendig ist einen Bogen zu spannen, noch heute in Pfund gemacht. Aber das kann man natürlich in Kilogramm umrechnen.
Im Mittelalter wurde ein Bogen mit der Kraft gespannt, die man benötigt, um ein Gewicht von 90 Kilogramm zu bewegen. Damit konnte ein Pfeil bis zu 350 Meter weit fliegen. Hergestellt wurde der so genannte englische Langbogen aus dem Holz der Eibe und das Seil aus Hanf. Die Pfeile wurden natürlich auch aus Holz hergestellt und die Federn daran sorgten für bessere Flugeigenschaften.
Heute verwendet man kein Eibenholz für die Herstellung der mittelalterlichen Bögen mehr, da dieser Baum geschützt ist. Deshalb wird Hickory-Holz oder das Holz des Zitronenbaums verwendet. Hickory, das sind bis zu 30 Meter hohe Bäume, die mit unseren Walnussbäumen verwandt sind und vor allem in Nordamerika vorkommen. Auch die Spannkraft ist bei weitem nicht mehr so hoch wie früher, aber entspricht immer noch einem Gewicht von 22,5 Kilogramm. Die Pfeile sind immer noch aus Holz, auch wenn am hinteren Ende des Pfeils eine Kunststoff- Verstärkung sitzt. Sie soll verhindern, dass das Holz dort zersplittert, damit der Pfeil länger hält. Denn ganz billig sind die Pfeile nicht, immerhin kosten sie so um die 20 Euro. Relativ günstig dagegen ist ein Kinderbogen für etwa 120 Euro zu erwerben. Ein guter Bogen für Erwachsene kann aber auch schon einmal 500 bis 600 Euro verschlingen.
Gekleidet in ein mittelalterliches Gewand und bewaffnet mit Pfeil und Bogen geht Thomas Meffert auf Wettkämpfe,, bei denen Anhänger dieses Zeitalters ihre Schießkünste mit dem englischen Langbogen messen. Doch sind diese nicht zu vergleichen mit denen der Sportbogenschützen, die beispielsweise bei Olympia teilnehmen. "Deren Bögen sind auch ganz anders aufgebaut", wird den Jung-Redakteuren erklärt. Ein entscheidender Unterschied ist nämlich, dass die mittelalterlichen Bögen keine Auflage für den Pfeil besitzen, stattdessen benutzt man die Hand als Stütze.