Geschichten aus dem Archiv

  1. Kurzberichte aus der Kinder-Redaktion

Andrea Rößler hütet das Gedächtnis einer ganzen Stadt. Ein kniffliger Job, der große Verantwortung mit sich bringt. Viele Doktorarbeiten, Zeitungsartikeln und Schulreferate wären ohne das Stadtarchiv der Zweiburgenstadt Weinheim nicht entstanden. Ausgesprochen wichtig also, zu wissen, wo so viele Informationen zu bekommen sind, dachte sich die Kinder-Uni im Netz.

Historie zum Anfassen. Ein bisschen rau und gleichzeitig wie Samt fühlt sich die Urkunde an, die die Weinheimer Stadtrechte erneuert. Sie ist aus Pergament und wurde gegeben zu „Heidelberg auf den nächsten Montag nach Peter- und Pauls-Tag“, liest die Archivarin vor. Das ist der 29. Juni im Jahr 1404. 601 Jahre alt sind also das Schriftstück und das Siegel. Und sie sehen noch taufrisch aus.

Richtig wuchtig sind dagegen die Ratsprotokolle aus dem Jahr 1646. Geprägtes Leder, ein Holzdeckel und Messingverstärkung an den Ecken zeigen, dass hier gewichtige Dinge enthalten sind. Nicht von ungefähr kommt das Wort „Archiv“ auch aus dem Griechischen und heißt eigentlich, „der Ort, wo die wesentlichen Papiere aufbewahrt werden“. Heute gibt es natürlich viel mehr Ratsprotokolle, doch sie sind nicht mehr in schöner Handschrift niedergelegt, sondern gedruckt und kopiert. Nur die Unterschriften des Oberbürgermeisters sowie der Fraktionsvorsitzenden macht sie zum Original.

Zu den Beständen ihres Archivs in der Schulstraße gehören aber auch ganz exotische Dinge. Postkarten oder Fotos beispielsweise. Daran ist nicht nur interessant, wie bestimmte Plätze früher aussahen, sondern auch wie die Menschen sich früher kleideten oder feierten. Eine Landkarte von 1911 zeigt, wie extrem Weinheim in den letzten hundert Jahren gewachsen ist. Was damals die Innenstadt war, ist auf der Karte aus dem Jahr 2005 nur ein kleiner Fleck.

Auch ganz modern geht es in einem Archiv zu. Es gibt Videos, DVD, CD-rom, Mikrofilme, Schallplatten und Tonbänder. Problem dabei: „Wir brauchen einen ganzen Fuhrpark“, erklärt die Fachfrau. Gerade wurden die Tonbänder auf neue Speichermedien umkopiert, weil sie nach 50 Jahre zu „bröseln“ begannen. Bei den modernen Sachen geht das noch viel schneller. Eine Diskette hält gerade einmal zwei Jahre, eine CD fünf Jahre, dann müssen sie umkopiert werden. Ein teurer Spaß. „Wir setzen gerne neue Techniken ein“, spricht Andrea Rößler für ihre Archivarskollegen, „aber an sich sind wir konservativ und setzen auf Papier“. Das ist einleuchtend: Die 600 Jahre alte Urkunde kann heute noch jeder ohne Hilfsmittel lesen.

Zwei Kilometer am Stück würden all die Schriftstücke und Dokumente des Stadtarchivs ergeben, wenn sie hinter einander gelegt würden. Dazu gehören Akten des Standes- und Bauamtes, aber auch „Nahrungszettel“. So nannte man früher die Vermerke, wem welcher Acker gehörte. Die Zeitungen sind seit 1860 auf Mikrofilm vorrätig. Kinder-Redakteur Marcel kann da nachlesen, dass an seinem Geburtstag, am 25. September 1994 die Uhr umgestellt wurde.

Dazu kommen noch einmal 6000 Bücher über die Stadtgeschichte und Doktor- und Diplomarbeiten. Anders als in einer Bibliothek wird im Stadtarchiv aber nichts ausgeliehen.

Das „Kassieren“ ist im Archivar-Beruf fast das Wichtigste. Das heißt nicht, das Geld verlangt würde, sondern „kassieren“ ist der Ausdruck für „wegwerfen“. Das ist auch dringend nötig. Allein an Rechnungen produziert die Stadtverwaltung im Jahr 100 laufende Meter. 99 davon müssen weg. Sortieren, aufräumen, ordnen, das ist in einem Archiv fast genauso wichtig, wie das Wiederfinden und Nutzen. Im Keller des Stadtarchivs lagert gut gekühlt ein Teil der Schätze. Die Grundbücher, wer welches Grundstück besitzt, gibt es seit 1588, aber auch Nachlässe von Verstorbenen, werden hier aufbewahrt. Auch adoptierte Kinder, die wissen wollen, wer ihre Eltern sind, erhalten hier diese Akten beim Stadtarchiv.


Von Marcel Jung (10 Jahre)

Am 20.Juni waren wir im Stadtarchiv in Weinheim. Dort werden ganz viele Unterlagen der Stadt Weinheim, wie Urkunden, Bücher oder Zeitungen aufgehoben. Die älteste Urkunde, die wir sahen war von 1368. Die Urkunde von 1368 wurde auf Tierhaut geschrieben, jetzt ist sie schon mehr als 600 Jahre alt. Man kann zwar nicht mehr alles darauf erkennen, aber es ist trotzdem erstaunlich, dass man es solange aufheben kann.

Alte Bücher und Urkunden werden im Kühlen gelagert, damit sie besser erhalten bleiben. Im gesamten Stadtarchiv sind 2 Kilometer Bücher aufbewahrt. Das kann man sich kaum vorstellen.

Von meinem Geburtsdatum 25.09.1994 bekam ich die erste Seite der Weinheimer Zeitung ausgedruckt, dort konnte ich lesen, dass in der Nacht vom 24.09. auf den 25.09.die Uhren von Sommer auf Winterzeit zurückgestellt wurden. Es gibt im Archiv von jedem Tag ganz viele Zeitungsseiten. Mir hat es im Stadtarchiv gut gefallen.


Von Adrian Litsch

Am 20.06.05 ging die Redaktion der Kinder-Uni im Netz in das Archiv von Weinheim. Frau Rößler, die Archivarin, zeigte uns alte Botschaften und Steuerbücher. Einige davon waren über sechshundert Jahre alt und unschätzbar wertvoll. Alle davon noch in damaliger Handschrift. Sie erzählte uns auch was mit Strafzetteln oder Bauplänen gemacht wird.

Danach gingen wir in eine Halle, wo alte Archive gelagert werden. Hier durften wir einige Steuerbücher in die Hand nehmen, manche waren ziemlich schwer. Ich fand das alles sehr interessant.