Von Saskia Kemna (10 Jahre)
Wir haben nicht immer schon Hochdeutsch gesprochen! Nein!
Ungefähr in den Jahren 1050 bis 1350 sprachen wir oder besser unsere Vorfahren Mittelhochdeutsch.
Das war die Zeit, die man heute Mittelalter nennt. Damals gab es übrigens auch die Minnesänger. Das waren Menschen, die schöne (also, Geschmacksache würde ich sagen) Lieder erfunden und dann vorgetragen haben. Diese Minnesänger haben ihre Lieder in Mittelhochdeutsch gedichtet und deshalb sind sie in dem Zusammenhang wichtig. Heute sind noch ein paar Gedichte und Lieder erhalten, aber davon werde ich später berichten.
Jetzt erst einmal über die Sprache Mittelhochdeutsch.
Natürlich gab es auch schon eine Sprache vor dem Mittelhochdeutschen, nämlich das Althochdeutsch. Das sprach man zwischen 750 und 1050. Doch die Veränderung zwischen Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch war nicht irgendwie abrupt, sondern die beiden Sprachen gingen ineinander über. Im 11. Jahrhundert kann man sagen, dass sie sich gerade eben verändert hatten.
Hier eine Übersicht über das Vokalsystem des Mittelhochdeutschen:
Kurzvokale waren damals: a, e, I, o, u, ä, ü, ö
Langvokale waren: â, ê, î, ô, û , ae, oe, iu (= langes ue)
Doppellaute (Diphtonge): ei, ie, ou, öu, uo, üe
Dabei wird ei nicht gesprochen wie heute, nämlich ai, sondern wie e+i. Ie wird auch nicht wie ein langes 'ieeee' gesprochen, sondern wie I+e.
Hier sind auch noch die Veränderungen vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen.
| Mittelhochdeutsch | Hochdeutsch | Beispiel |
| î | ei | mîn = mein |
| iu | eu, äu | vriunt = Freund |
| û | au | hûs = Haus |
| ie | i | liep = lieb |
| üe | ü | müede = müde |
| uo | u | bruoder = Bruder |
| ei | ei | bein = Bein |
| öu | eu, äu | Böume = Bäume |
| ou | au | Boum = Baum |
Für unsere Ohren hört sich das ganz schön komisch an, aber so klang Mittelhochdeutsch! Wenn man weiss, wie man es übersetzen muss, klingt es zwar immer noch komisch, aber dann ist es plötzlich ganz leicht zu verstehen.