MITTELHOCHDEUTSCH

Von Saskia Kemna (10 Jahre)

Mittelhochdeutscher Text: Von David von Augsburg (1200 bis 1272); Übersetzung siehe unten Wir haben nicht immer schon Hochdeutsch gesprochen! Nein! Ungefähr in den Jahren 1050 bis 1350 sprachen wir oder besser unsere Vorfahren Mittelhochdeutsch. Das war die Zeit, die man heute Mittelalter nennt. Damals gab es übrigens auch die Minnesänger. Das waren Menschen, die schöne (also, Geschmacksache würde ich sagen) Lieder erfunden und dann vorgetragen haben. Diese Minnesänger haben ihre Lieder in Mittelhochdeutsch gedichtet und deshalb sind sie in dem Zusammenhang wichtig. Heute sind noch ein paar Gedichte und Lieder erhalten, aber davon werde ich später berichten.

Hochdeutsche Übersetzung Jetzt erst einmal über die Sprache Mittelhochdeutsch. Natürlich gab es auch schon eine Sprache vor dem Mittelhochdeutschen, nämlich das Althochdeutsch. Das sprach man zwischen 750 und 1050. Doch die Veränderung zwischen Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch war nicht irgendwie abrupt, sondern die beiden Sprachen gingen ineinander über. Im 11. Jahrhundert kann man sagen, dass sie sich gerade eben verändert hatten.

Hier eine Übersicht über das Vokalsystem des Mittelhochdeutschen:

Kurzvokale waren damals: a, e, I, o, u, ä, ü, ö
Langvokale waren: â, ê, î, ô, û , ae, oe, iu (= langes ue)
Doppellaute (Diphtonge): ei, ie, ou, öu, uo, üe

Dabei wird ei nicht gesprochen wie heute, nämlich ai, sondern wie e+i. Ie wird auch nicht wie ein langes 'ieeee' gesprochen, sondern wie I+e.

Hier sind auch noch die Veränderungen vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen.

Mittelhochdeutsch Hochdeutsch Beispiel
î ei mîn = mein
iu eu, äu vriunt = Freund
û au hûs = Haus
ie i liep = lieb
üe ü müede = müde
uo u bruoder = Bruder
ei ei bein = Bein
öu eu, äu Böume = Bäume
ou au Boum = Baum


Wichtig ist, dass im Mittelhochdeutschen nur Eigennamen gross geschrieben werden. Das ist nicht wie im Hochdeutschen, wie wir es heute sprechen und schreiben. Denn heute werden ja alle Namen und (!) Substantive gross geschrieben.

Jetzt aber zu den Minnesängern. Wie schon gesagt, sie haben Lieder gedichtet und komponiert und dann vorgetragen. Meistens waren es Liebeslieder für feine Burgfräuleins. Ein berühmter Dichter und Minnesänger war Walther von der Vogelweide. Von ihm sind viele Lieder bis heute erhalten geblieben und noch lesbar. Hier nun ein paar Zeilen eines Gedichts, das "Unter den Linden" heisst:

Ich saz ûf eine Steine
Und dahte Bein mit Beine.
Daruf satzt ich den ellenbogen,
Ich hete in mine hand gesmogen
Daz kinne und ein min wange.



Und hier die Übersetzung:

Ich saß auf einem Steine
und bedeckte Bein mit Bein.
Darauf setzte ich einen Ellenbogen,
ich hatte in meine Hand geschmiegt
das Kinn und eine meiner Wangen.


Für unsere Ohren hört sich das ganz schön komisch an, aber so klang Mittelhochdeutsch! Wenn man weiss, wie man es übersetzen muss, klingt es zwar immer noch komisch, aber dann ist es plötzlich ganz leicht zu verstehen.