Hier glüht das Eisen

Allmählich füllt sich die Schmiede im Viernheimer Heimatmuseum mit Rauch. Das schreckt die Jung-Journalisten der Kinder-Uni im Netz aber nicht. Schließlich wollen die wissbegierigen Zehn- bis Zwölfjährigen an diesem Nachmittag etwas über das Schmiedehandwerk erfahren.

Die von Karlheinz Weiss entfachte Glut hat dank des riesigen Blasebalgs auch bald die richtige Temperatur erreicht. "Etwa 1300 Grad Celsius heiß ist das Feuer", erklärt der gelernte Schmied, der heute einen Schlüsselnotdienst betreibt und Sicherheitstechnik anbietet. Diese Temperatur ist notwendig, damit das Eisen etwa 1200 Grad heiß und somit weich wird, denn nur dann lässt es sich richtig bearbeiten. Schon zieht Karlheinz Weiss ein viereckiges, weißgelb glühendes Eisen aus der "Esse" und legt es auf den Amboss. Mit wenigen Schlägen krümmt er die Spitze des Eisens, so dass das ganze aussieht wie ein Spazierstock. Am Ende soll daraus ein richtiger Schnörkel werden, aber dazu muss dass Eisen noch fünf Mal aufgewärmt werden.

Ein Flacheisen spaltet der Schmied anschließend mit einem Spaltmeisel zu einer V-Form und aus einem Rundeisen formt er innerhalb einer halben Minute einen mittelalterlichen Dübel. Dessen Spitze hat Karlheinz Weiss in die Form eines Propellers gebracht. Wird dieser Dübel nun in eine Wand geschlagen, lässt er sich kaum noch herausziehen und ist gleichzeitig in der Lage große Gewichte zu halten.

Um die Eisen in die gewünschte Form zu bringen, hat der Schmied verschiedenste Hämmer zur Hand. Da gibt es beispielsweise den Schlichthammer, der mit seinem ebenen Kopf für glatte Oberflächen auf dem bearbeiteten Eisen sorgt. Dazu wird er auf das glühende Eisen aufgesetzt und mit einem anderem Hammer wird darauf geschlagen. Mit dem Lochhammer werden, wie der Name schon andeutet, Löcher in das heiße Eisen geschlagen und der Setzhammer dient dazu Absätze mit scharfen Kanten in dem Eisen zu erzeugen. So gibt es eine ganze Menge spezieller Hämmer und auch Zangen, die der Schriesheimer Karlheinz Weiss vor sich aufgebaut hat und deren Funktion er den Nachwuchsjournalisten erklärt.

Bei all den Erläuterungen kann es natürlich auch einmal passieren, dass der Schmied nicht aufpasst und das Eisen in der Esse zu heiß wird. Dann sprühen richtig die Funken und das Werkstück ist nicht mehr zu gebrauchen. Absichtlich bringt Karlheinz Weiss durch kräftiges Betätigen des Blasebalges das Feuer und das darin befindliche Eisen auf eine viel zu hohe Temperatur. Als er das Eisen aus der Glut zieht, hält er eine Art Wunderkerze in der Hand, denn das Eisen verbrennt unter Abgabe von Funken förmlich an der Luft.

Gegenüber den Bedingungen in der altertümlichen Schmiede des Viernheimer Heimatmuseums hat sich natürlich heutzutage vieles verändert. So gibt es längst keinen Blasebalg mehr, sondern die Luft wird dem Feuer durch ein Gebläse zugeführt. Allerdings ist das Schmiedehandwerk, so wie es Karlheinz Weiss den Jungjournalisten zeigte, ein aussterbender Berufszweig, den heute nur einige Kunstschmiede ausüben. Handarbeit ist eben teuer und nicht jeder kann sie bezahlen.

Info: Wer mal sehen möchte, was Karlheinz Weiss so alles für das tägliche Leben herstellt, kann sich auf seiner Homepage (www.metallbau-karlheinz-weiss.de) darüber informieren.