Spiele im Mittelalter

Kind mit Steckenpferd, aus: Dryander, Der Arzney gemeiner Inhalt. Frankfurt, Egenolf, 1542.; Quelle: Wikipedia Welche Spiele wurden eigentlich im Mittelalter gespielt? Das ist gar nicht so einfach heruaszufinden, wie Dr. Thomas Städtler bei seiner Vorlesung "Spiele im Mittelalter" anlässlich der Heidelberger Kinderuniversität seinen jungen Zuhörern erst einmal klar machte. Schließlich gab es damals noch keine Spielanleitungen, wie etwa heute für Monopoly, die über die vielen Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben sein könnten. Doch manchmal stoßen die Wissenschaftler bei ihrem Studium alter Texte zufällig auf Hinweise, welche Spiele damals beliebt waren.

So gibt es etwa Zeichungen auf denen zu sehen ist wie Kinder auf einem Steckenpferd reiten oder sich im Bockspringen üben. Auch das Spiel mit Murmeln war im Mittelalter schon beliebt, wobei es allerdings keine Glasmurmeln gab, stattdessen wurden kleine Steine genommen. Auch Metallreifen, welche eigentlich die Holzfässer zusammenhalten sollten, wurden als Spielgerät genutzt, indem sie mit einem Stock durch die Gassen getrieben wurden. Das Knochenspiel bestand darin einen ausgekochter Schafsknochen in die Luft zu werfen und bevor wieder am Boden aufschlug, mussten fünf weitere Knochen vom selbigen aufgehoben werden.

Dr. Thomas Städtler Einige der im Mittelalter und schon früher erfundenen Spiele gibt es auch heute. Dazu gehört beispielsweise das Tennis. Es entstand in Frankreich und wurde zunächst ohne Schläger nur mit der Hand gespielt. Ab dem 16. Jahrhundert gab es dann auch Tennisschläger. Da sich das Spiel zum einem richtigen Exportschlager entwickelte und so nach England kam wurde aus dem altfranzösischen tenez das englische Wort tennis. Die etwas merkwürdige Zählweise beim Tennis kommt von der damals üblichen Währung, denn Tennis wurde durchaus um Geld gespielt. Pro Punkt wurde eine Münze eingesetzt, die einen Gegenwert von 15 Denier hatte.

Einen Fußballweltmeister gab es Mittelalter natürlich noch nicht, aber es wurde schon Fußball gespielt. Damals ging es aber zwischen zwei Städten darum den Ball in das gegnerische Stadttor zu befördern. Da es für diese Art Fußball noch keine Regeln gab, wurden die Mitspieler häufig verletzt und so verboten die Könige das Spiel. Erst 1857 wurde der erste Fußballclub heutiger Prägung in England gegründet und seit dem hat dieses Spiel einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten.

Fußball in Florenz im 17. Jahrhundert; Quelle: Wikipedia Sehr alt sind auch schon Würfelspiele, denn die Überlieferung zeigt, dass sie schon vor mehr als 5000 Jahren erfunden wurden. Über die Spiele selbst, weiß man allerdings sehr wenig, denn die Regeln sind eben nicht überliefert. Bekannt ist aber, dass manchmal bei diesen Spielen kräftig geflucht wurde, so dass die Regierung sie verboten.

Aus vielen Spielen haben sich aber auch Wörter in Redensarten unserer Sprache eingeschlichen. So etwa das Wort Abseits, bei "jemanden ins Abseits stellen", Aus den Kartenspielen stammen die Redensarten "jemand hat gute Karten", "abgekartetes Spiel", "alles auf eine Karte setzen" oder "Farbe bekennen".