„Geil“ war schon damals angesagt

Manfred Kurz nahm die Kinder-Uni im Netz mit auf eine Zeitreise zum Minnesänger Wissenlo

  1. Kurzbericht über den Minnegesang von Marcel Jung

Manfred Kurz; Foto: Alex „Alles anschnallen, ich nehme euch mit auf eine Zeitreise“, verspricht Manfred Kurz der Kinder-Uni im Netz. Und tatsächlich: die kleinen Redakteure des RNZ-Projektes tauchen tief ein in die geheimnisvolle Welt des Mittelalters, wo Sänger von Burg zu Burg zogen, um von Liebe und Schmerz zu singen.

„Minnesänger“ wurden sie genannt. Minne, das hieß damals Liebe. Berühmt waren sie fast so sehr wie die Popstars heute. Sie hatten ihre Fans, ihre „Band“ und natürlich ihren unverwechselbaren Stil. Die Burgherren luden sie ein, bei ihnen zu wohnen und an der Tafel für Unterhaltung zu sorgen.

Schreiber; Quelle: Photocase.de Einer von ihnen hat es Manfred Kurz angetan, seit er vor 20 Jahren zur Stadtverwaltung Wiesloch kam und dort unter anderem für Kultur zuständig ist. Vor vielen hundert Jahren gab es nämlich einen so genannten Herrn von Wissenlo (Vorname leider unbekannt). Der stammte aus dem badischen Geschlecht derer von Wiesloch. Auf ihn gestoßen war Manfred Kurz schon als Student in der Großen Heidelberger Liederhandschrift, der Codex Mannesse. Das ist eine der berühmtesten mittelhochdeutschen Handschriften des Mittelalters. Und das Tollste daran: Das wunderschöne Mammutwerk, das aus 426 Pergamentblättern besteht, wird heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt. Entstanden ist die Manesse übrigens um 1300 in Zürich. Es war eine reicher Kaufmannsfamilie namens Manesse, die die schönsten Lieder ihrer Zeit zusammentragen ließ. Ein mühseliges Geschäft übrigens. Druckmaschinen waren noch unbekannt. Alles wurde per Hand geschrieben und gezeichnet.

Quelle: Photocase.de In der Manesse gibt es neben den Liedtexten auch ganz viele bunte Bilder. Sie zeigen 137 Minnesänger mit Dingen, die für sie typisch waren. Auch Ritterkämpfe, edle Damen und Wappen kommen reichlich vor. Deshalb ist die Manessesche Liederhandschrift auch ein gutes Forschungsobjekt, das viel darüber verrät, wie die Menschen damals gelebt haben. Natürlich war vor 800 Jahren auch die Sprache ganz anders. Zu sehen, wie das Deutsche gewachsen ist, das fand Manfred Kurz schon während seines Studiums ungeheuer spannend. Wer heute diese alten Texte hört, dem kommt das reichlich komisch vor. Ziemlich schnell hört man sich aber auch ein bisschen ein. Da gibt es Worte, die kommen einem fast bekannt vor, andere klingen wie Dialekt und bei wieder anderen hat man keinen blassen Schimmer, worum es sich handelt. Um Liebe geht es dabei aber fast immer.

Worte wandeln ihre Bedeutung. Das kann Manfred Kurz an einem bekannten Beispiel erklären. „Geil“ sagt heute fast jedes Kind und meint damit, dass irgendetwas prima ist. Noch die Oma wird vermutlich rot dabei, weil das Wort für sie unanständig klingt. Im Mittelhochdeutschen, der Sprache des Herrn von Wissenlo, war das Wort aber ganz normal. „Es bedeutete lustig, froh und ausgelassen“, weiß der Mann aus Wiesloch. Ihm gefielen die Lieder des Herrn von Wisselo so sehr, dass er jemanden suchte, der ihm eine Musik dazu komponierte. Die Freiburger Spielleyt machten sich mit Drehlleier, Fidel, Trommel, Flöte und Stimme ans Werk, so dass sogar eine CD daraus entstehen konnte, die ziemlich genau so klingt wie damals im Mittelalter.


Kurzbericht über den Minnegesang

Von Marcel Jung (10 Jahre)

Am Sonntag, den 5.Dezember besuchte uns ein Minnesänger in der Redaktion. Er erzählte und einiges über die Texte in Mittelhochdeutsch, das hört sich ganz anders an als unsere heutige Sprache, obwohl es ja auch Deutsch ist. Die Lieder der Minnesänger handelten von der Liebe, also sind es Liebeslieder. Er spielte uns auch eine CD vor und drei Texte gab er uns mit nach Hause. Es wurde oft auf Flöten und Leiern dazu gespielt. Es war ein sehr interessanter Nachmittag.