Was sind Zünfte?
Zünfte sind ein Zusammenschluss von Handwerkern einzelner Gewerbe zu Genossenschaften.
Warum bildeten sich Zünfte?
Weil im Mittelalter der Bedarf an verschiedenen Waren und Dienstleistungen immer weiter anstieg, begannen sich die
Handwerker auf ein bestimmtes Gebiet zu spezialisieren. Es dauerte nicht lange, bis sich die Handwerker zu so genannten "Zünften" zusammenschlossen, um ihre Ziele besser verfolgen zu können. Außerdem bekamen sie dadurch ausreichende und gesicherte Einkünfte und Schutz vor Konkurrenz
Die Regeln der Zünfte:
Für die verschiedenen Zünfte wurden bestimmte Regeln in den
Zunftordnungen zusammengefasst. Die wohl wichtigste Regel war, dass kein Zunftmeister Werbung für sein Geschäft machen durfte. Natürlich gab es auch andere Regeln, beispielsweise:
1. Einheitliche Öffnungs- und Arbeitszeiten
2. Gleiche Ausgangschancen
3. Gleicher Preis, gleiche Qualität und Produktionsmengen
Erreicht wurde die Einhaltung dieser Regeln durch den Zunftzwang. Ein Geschäft, das sich nicht der entsprechenden Zunft unterordnete, konnte nicht überleben. Denn Waren ohne Zunftstempel, waren im Vergleich zu den Waren mit Stempel nichts wert und durften außerdem nicht in der Stadt verkauft werden.
Jede Zunftgemeinde besaß eine Zunftlade, in der die eigene Zunftordnung und die Zunftfahne aufbewahrt wurden. Die Zunftlade befand sich in der Zunftstube. Dort traf man sich um Feste zu feiern, seine Wünsche an den Stadtrat vorzutragen, oder um einfach ein Bier zu trinken. Die verschiedenen Zünfte lebten in eigenen Stadtteilen, und mussten, wenn die Stadt bedroht wurde, einen bestimmten Teil der Stadtmauer verteidigen.
Die Zünfte waren in drei Klassen untergliedert: Meister, Gesellen und Lehrlinge. Da jedoch nur die Meister entscheidungsbefugt waren, sind die Zünfte eher als eine Organisation der Meister anzusehen.
Die Ausbildung war meistens vorgeschrieben, und bestand aus: Lehrzeit, Gesellenzeit und Wanderzeit. Die Lehrlinge und Gesellen lebten normalerweise bei ihrem Meister, da sie nicht genügend Geld für ein eigenes Haus hatten. Die Lehrlinge erhielten im Allgemeinen nur Unterkunft und Verpflegung für ihre Arbeit. Hatte der Lehrling seine Lehre beendet, wurde er Geselle und erhielt einen festen (allerdings ziemlich geringen) Lohn. Mit der Zeit, konnte ein Geselle Meister werden. Da die Meister aber ihre Zahl möglichst gering halten wollten, waren die Bedingungen, unter denen ein Geselle Meister werden konnte, nur sehr schwer zu erfüllen.
Falls ein Meister starb, durfte seine Witwe das Gewerbe weiterführen. In einigen Städten musste sie allerdings nach einer bestimmten Zeit, wieder einen Zunftmeister heiraten, oder einen Gesellen einstellen. Es existierten aber auch vier Zünfte, die Frauen als Zunftmitglieder akzeptierten: Garnmacher, Goldspinner, Seidenweber und Seidenmacher.
Es gab natürlich noch viele andere Zünfte, wie etwa Bogner (Bogenbauer), Armbruster (Armbrustbauer), Helmschmiede (auch Helmer/Eisenhuter), Leinenweber, Tuchmacher (Wollweberei), Messerschmiede (Messerer; Fertigung von Dolchen, Haumessern, Degen und anderen einschneidige Klingen), Klingenschmiede (Klingerer; Schwerter und andere doppelschneidige Klingen), Nagelschmiede (Nagler), Panzerschmiede (Panzerer), Steinmetze (Steinhauer), Maurer und viele mehr.
Im späten Mittelalter traten verstärkt Probleme auf. In vielen Städten, in denen das Handwerk einen großen Anteil am Wirtschaftsleben hatte, kam es im 14. Jahrhundert oft zu blutigen Aufständen. Die Zünfte strebten nach einer Beteiligung an der Stadtpolitik oder gar der Stadtverwaltung. Teilweise lösten große Zünfte den Stadtrat auf, verjagten die Patrizier, oder sperrten sie ein, um in den Stadtrat aufgenommen zu werden. Einige Städte wurden ganz von den Zünften beherrscht.
Ein zweites Problem waren die erschwerten Aufstiegschancen, Meister zu werden. Die Bedingungen waren so hart, dass nur noch ein kleinerTeil der Gesellen Meister werden
konnte:
1. Sie mussten ein Meisterstück auf eigene Kosten anfertigen.
2. Das Bürgeraufnahmegeld bezahlen.
3. Sich einen eigenen Harnisch (=(Brust-)Panzer) anfertigen lassen.
4. Verschiedene Beiträge an die Zunft zahlen.
5. Für die Zunftkirche Wachskerzen kaufen.
6. Einen Hausbesitz oder das nötige Geld dazu vorlegen.
7. Ein Mahl von mehreren Gängen für alle Meister der Zunft spenden.
Mit ihrem sehr geringen Lohn, den sie für 12-16 Stunden Arbeit pro Tag bekamen, konnten sie kaum überleben und erst recht nicht diese Bedingungen erfüllen. Die Gesellen gründeten Bruderschaften oder Verbände, um verkürzte Arbeitszeiten und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Desweiteren wollten sie eine Festsetzung der Bußen bei Vertragsbrüchen erreichen. Es wurden Mitgliedsbeiträge gezahlt, mit denen kranke Gesellen und Lehrlinge unterstützt wurden, sowie für die Einrichtung von Gesellenherbergen gesorgt wurde. Dort konnte man kostenlos mit Essen und Trinken versorgt werden.
Die Zünfte stellten eine einflussreiche Wirtschaftsmacht dar. Sie sorgten für das wirtschaftliche Wohlergehen der Bevölkerung in den Städten. Auch besaßen sie die Macht, den Verkauf von importierten Waren zu verbieten. Außerdem stellten sie hohe Qualitätsansprüche, was den Käufern zugute kam. Jedoch wurden dem Käufer billigere Preise (beispielsweise durch verbesserte Herstellungsmethoden) verweigert.
Quellen:
www.magistrix.de
www.lehnswesen.de