Was haben die Eier mit Ostern zu tun?
Bei der Kinder-Uni sprach der Religionswissenschaftler Professor Gregor Ahn
über Rituale
Es gibt manche Frage, die hat man sich irgendwann abgewöhnt zu
stellen. Was hat ein Tannenbaum mit Weihnachten zu tun? Warum gibt es an
Ostern Eier? Und was bedeuten die leuchtenden Kürbisse an Halloween? Bei der
Ruprecht-Karls Kinder-Uni sind solche Fragen nicht nervend, sondern
ausdrücklich erwünscht. Schließlich lautet der Titel der Vorlesung von
Professor Gregor Ahn "Süßes oder Saures, über Halloween und andere Rituale".
Der Mann kennt sich da nämlich aus, schließlich ist er nicht nur
Religionswissenschaftler, sondern forscht seit etlichen Jahren schon über
Rituale und wie die sich im Lauf der Zeiten verändern. Ein spannendes Thema,
das knapp 200 Jungen und Mädchen in den großen Hörsaal der Chemie lockte.
Das Wort Rituale stammt laut Lexikon aus dem Lateinischen und bezeichnet ein
Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung. Was unterscheidet aber ein Fest
vom Zähneputzen, das ja auch mehr oder weniger regelmäßig passiert? "Das
eine macht Spaß und das andere nicht", kommt es von den Nachwuchs-Studis wie
aus der Pistole geschossen. Ganz so einfach ist das nicht, aber sie landen
damit schon mittendrin in dem Forschungszweig, mit dem sich Gregor Ahn und
sein Team seit mehr als zwei Jahren beschäftigen.
Die Wiederholung allein genügt nämlich nicht, um aus dem Zähneputzen oder
Schuhebinden ein Ritual zu machen. Dazu muss schon noch ein bestimmter
Rahmen und eine Bedeutung dazu kommen, die einem Handeln beigemessen wird.
Beten ist also ein Ritual oder das Feiern der Mittsommernacht. "Ein Ritual
wird in regelmäßigen Abständen wiederholt, aber nicht alles, was wiederholt
wird, ist ein Ritual", beschreibt das der Forscher. Allerdings, das gibt er
zu, ist es gar nicht einfach zu sagen, wann ein Ritual anfängt und wann es
endet. Dass es aber einen Anfang und ein Ende hat und Weihnachten zum
Beispiel aus vielen kleinen Ritualen besteht, das ist sicher.
Wie ein Fest begangen wird, das unterscheidet sich nicht nur von Land zu
Land, sondern auch von Zeit zu Zeit. Manchmal entsteht auch eine Mischung
von ganz verschiedenen Dingen. So ist Ostern nicht nur das Andenken daran,
dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, sondern vermischt sich
mit Frühlingsfesten, die den Hasen und die Eiern als Zeichen einer
wiedererwachten Natur und der Fruchtbarkeit mit eingebracht haben. Wie ist
das nun aber mit Halloween, das in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1.
November gefeiert wird. Ursprünglich war der schaurig-spukige Zauber ja in
den Vereinigten Staaten von Amerika daheim, seit rund zehn Jahren ist er
aber auch nach Europa geschwappt. Da kommt er sogar ursprünglich her. Die
Kelten hatten dieses Fest zum Winteranfang eingeführt und glaubten, dass in
jener Nacht die Toten als Geister und Schattengespenster wiederkommen und
die Lebenden in Angst und Schrecken versetzen würden.
Damit das nicht passiert und die Gespenster ihrerseits Angst bekommen, zogen
sie sich selbst fürchterliche Kostüme an, setzten Masken auf und zogen
randalierend durch die Dörfer. Dieser Brauch hat sich später mit der
katholischen Tradition vermischt, den lieben Verstorbenen an Allerseelen
etwas Gutes mit auf den Weg ins Jenseits zu geben und kam dann von
Amerika nach Europa zurück.
Fotos (und Copyright):
1 Stefan Kresin
2 Andrea Liebers