Was konnten die Alten Griechen mit der Schrift anfangen?

Sie konnten Rechnungen schreiben, Verträge, Handelsbriefe, Gedichte, Erzählungen, Kochrezepte, Zaubertexte, Gesetze - und noch vieles mehr. Die Wissenschaften und die Literatur explodierten zu der Zeit in Griechenland. Das älteste, schriftlich niedergelegte Gesetz Europas stammt aus der Stadt Dreros auf Kreta.

Hier steht folgender Text: Gott möge gnädig sein. So hat die Polis entschieden. Wenn jemand Beamter gewesen ist, soll er für zehn Jahre nicht wieder Beamter werden. Wenn er doch ein Amt übernimmt, gleich, was er geurteilt hat, soll er das Doppelte an Strafe schulden. Und er soll für das Amt unbrauchbar sein, so lange er lebt. Und was er als Beamter verfügt hat, soll nichtig sein.

Die Ägypter hatten doch auch eine Schrift, werdet ihr fragen. Gibt es dort keine vergleichbaren Leistungen? In Ägypten war das Schreiben nur sehr wenigen vorbehalten. Erstens war die Schrift sehr kompliziert und zweitens durften nur ausgewählte Personen schreiben lernen. In Griechenland war das anders. Die Schrift war einfach zu lernen und jeder, der es wollte, konnte das tun.

Erhalten sind uns die antiken Texte der Griechen in verschiedenen Formen. Die Werke der Literatur, Wissenschaft und Philosophie wurden auf Papyrusrollen aufgezeichnet, verkauft und in Bibliotheken gesammelt. Viele Texte wurden auch in Stein eingemeißelt, denn das war eine bevorzugte Art der Griechen, wichtige Dinge aufzuzeichnen: zum Beispiel Gesetze, Lobeslieder, Briefe von Königen und Kaisern, Inschriften zu Ehren verdienter Bürger, Liebesgedichte, Grabsteine. Es wurden aber auch weniger wichtige Dinge auf Stein geschrieben.

Graffitis aus dem Alten Griechenland

Graffitis auf steinernen Sitzplätzen

In Aphrodiasis befand sich einmal eine der wichtigsten Städte Kleinasiens und zwar vor 2100 bis 1500 Jahren von heute aus zurück gerechnet. Heute ist dies ein ziemlich unbedeutender Ort im Südwesten der Türkei. 600 lange Jahre lang aber war Aphrodiasis eine riesige Stadt mit Theatern, Sportarenen, Märkten, Häusern und vielen, vielen Menschen. Alles längst vergangene Zeiten - aber! Das Besondere an Aphrodiasis ist, dass sich auf vielen der antiken Gebäudereste, die noch erhalten sind, Graffitis, also hingekritzelte Bildchen, Worte, Nachrichten, befinden. Für die Forscher der Alten Geschichte ist das etwas ganz Wichtiges. Denn so können sie einiges über das Alltags- und Privatleben der damaligen Bewohner erfahren. Auf Steine, Mauern, Säulen gekritzelt oder in Böden und Wände eingeritzt haben die Leute damals festgehalten, wer wen liebte oder wer in wen unsterblich verliebt war, wer wen total bescheuert fand (beispielsweise Antonius ist doof), politische Parolen, Werbung für alles Mögliche (beispielsweise schmackhafte Oliven, tollen Wein).