Ihi - oder wie heirate ich einen Gott?


Professor Niels Gutschow erklärt das Ihi-Ritual Einen Gott heiraten? Für uns Europäer eine merkwürdige Vorstellung. Aber nicht so für sieben bis acht Jahre alte Mädchen in Nepal. "Ihi" heißt das Ritual, bei dem die Mädchen mit einem Gott verheiratet werden und das die Professoren Niels Gutschow und Axel Michaels vom Südasien-Institut der Ruprecht-Karls Universität bei der Heidelberger Kinderuni vorstellten.

"Die Mädchen tun damit einen wichtigen Schritt in ein anderes Alter, wo sie nicht mehr so viel Blödsinn machen können. Mit diesem Ritual sind die Mädchen in die Gesellschaft aufgenommen", zeigte Niels Gutschow dieses Rituals auf. "Es ist ähnlich der Kommunion oder der Konfirmation in unserer Kultur", erläuterte er den kleinen Nachwuchsstudenten weiter.

Wie das Ganze abläuft, zeigten die Professoren anschließend an Hand eines Films, den die beiden zusammen mit einem Kameramann in Nepal gedreht haben. Der Film zeigt das Mädchen Lipisa während des dreitägigen Rituals, das mit den rituellen Vorbereitungen beginnt. Lipisa erhält ein Stirnmal und Geschenke, wird angekleidet und geschminkt und schließlich geht sie mit ihren Verwandten in den Narain-Tempel, wo insgesamt 74 Kinder sich dem Ihi-Ritual unterziehen. Dort wird mit den so genannten Ritualfäden die Körperlänge der Mädchen vermessen, um später Gaben für den Gott darin einzuwickeln.

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen der eigentlichen Heirat und beginnt mit einer Wasserspende an die Götter und wird mit vielfältigen rituellen Handlungen fortgesetzt. Dazu gehört auch die Beseelung der Bel-Frucht, die der Holzapfelbaum trägt. Auf dieser Frucht erfolgt am Abend nach der Heirat mit dem Gott, wenn die Mädchen wieder zu Hause sind eine Reisgabe. Am dritten Tag verehrt Lipisa erstmals ihre Ahnen und bekommt auch das erste Mal in ihrem Leben ein kleines Glas Schaps zu trinken

"Die Bel-Frucht stellt den Bräutigam bei diesem Ritual dar," erklärte Niels Gutschow im Anschluss an den Film. Warum dies aber so ist und wer schließlich der Bräutigam ist, das wissen die Forscher bis heute nicht. "Das ist das Tolle am Forschen", weist der Professor die kleinen Studenten auf die Reize des wissenschaftlichen Arbeitens hin.

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