Bewusstsein, Ekstase und Rituale

Bewusstsein, Ekstase und Rituale - ein schwieriges Thema? Nicht so für Dr. Henrik Jungaberle und seinen jungen Zuhörern bei der Heidelberger Kinderuni. "Ba-Ku-Ba-Ku-Ba-Ku-Ba-Ku", wiederholt Henrik Jungaberle immer wieder die gleichen Silben. Die kleinen Nachwuchsstudenten lauschen mit verbundenen Augen. Am Anfang hört man nur Baku, aber je länger der Suchtpräventions- und Drogenforscher die beiden Silben wiederholt, um so öfter lässt sich auch das Wort Kuba heraushören.

Ein ganz ähnliches Experiment folgt sogleich mit Hilfe eines Metronoms. Den von dem Gerät vorgegebenen Takt können die Kinder leicht wiederholen. Wenn die Taktlänge aber über drei Sekunden beträgt gelingt das nicht mehr. "Dann nimmt unser Gehirn keinen Rhythmus mehr wahr, sondern nur noch einzelne Pulse", erklärt Henrik Jungaberle. Das liegt nämlich daran, dass unser Gehirn unsere Umwelt alle drei Sekunden neu berechnet.

Unser Gehirn lässt sich aber auch mit Technik überlisten. Henrik Jungaberle zeigt ein Beispiel bei dem eine Person einen besonderen Helm auf dem Kopf trägt, in dem zahlreiche starke Magnete eingebaut sind. Nach einer gewissen Zeit berichten die Versuchspersonen, dass sie ein helles Licht gesehen hätten oder einen Schutzengel. Auch der Körper reagiert bei dem Versuch, da manche Personen ein Vibrieren des eigenen Körpers festgestellt hatten.

Dr. Henrik Jungaberle Aber nicht nur mit technischen Hilfsmitteln lässt sich das Bewusstsein verändern. Auch bestimmte Rituale sind dafür geeignet. Da gibt es beispielsweise den Sonnentanz der Lakota-Indianer aus Nordamerika, bei dem den Tänzern Haken durch die Haut gestochen werden. Der über einen ganz Tag hinweg andauernde Tanz führt schließlich zur Bewusstlosigkeit der Beteiligten. Zur Ekstase führen verschiedene Rituale, wie etwa eines aus dem alevitischen Kulturkreis, der in Anatolien beheimatet ist. Die Teilnehmer an dem Ritual singen und klopfen sich dabei über sehr lange Zeit rhythmisch auf die Schenkel. "Was passiert dann wohl?", fragt Henrik Jungaberle in die Runde. Das ist den Kindern schon klar geworden: "Man nimmt die Dinge anders wahr", kommt rasch die Antwort.

Jetzt gibt es noch einen Selbstversuch per Atemtechnik. "Versucht so langsam wie möglich zu atmen", weist Henrik Jungaberle die Steppkes an. Die veränderte Bewusstseinswahrnehmung stellt sich schnell ein. "Man wird ganz hippelig", berichtet eines der Kinder. Und nun der umgekehrte Versuch mit schnelle, Ein- und Ausatmen. Auch hierbei stellt sich rasch ein verändertes Körpergefühl ein. Schwindel, Kopfschmerzen, ein Kribbeln in den Händen oder nur das der ganze Körper warm wurde, beschreiben die Nachwuchsstudenten. "Vielleicht gibt es ein Organ im Gehirn, das dafür zuständig ist", mutmaßt eines der Kinder. Tatsächlich ist es nicht ein Teil unseres Gehirns, das die Bewusstseinsveränderung herbeiführt, sondern verschiedene Gehirnareale sind dafür zuständig Träume zu produzieren.

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