Von Marcel Jung (10 Jahre)
Es war an einem Montag. Tanaka, ein Krieger vom Stamm der Manitu, nur etwa 1,30 Meter groß und braunhaarig, er könnte ungefähr zehn Jahre alt gewesen sein, war mal wieder einem Bären auf der Spur.
Tanaka hatte Pfeil und Bogen dabei und rannte dem Bären schnell hinterher. Tanaka war so schnell, dass er mit Leichtigkeit gleich neben dem Bären war. Er nahm Pfeil und Bogen, feuerte etliche Pfeile ab und erlegte ihn. Tanaka war sehr stark und nahm den Bären über der Schulter mit zum Stamm der Manitus. Als er dort angekommen war, kam ihm schon der Häuptling entgegen gerannt und schrie: "Hilfe, Hilfe wir werden vom Nachbarstamm angegriffen"!
Tanaka ließ den Bären fallen und rannte mit dem Häuptling zum Ort des Kampfes. Er sah wie seine Mutter von einem feindlichen Pfeil getroffen wurde ,der Junge nahm Pfeil und Bogen und schoss jeden, der ihm in die Quere kam, ab. Eine Schamanin (Götteranbeterin und Heilerin), versuchte Tanakas Mutter wieder zu beleben und sie hatte Erfolg. Als Tanaka das sah, rannte er zu seiner Mutter und nahm sie in den Arm. Nach einigen Tagen war sie wieder ganz gesund. Sie bereitete aus Tanakas erlegtem Bären ein leckeres Essen zu und war sehr stolz auf ihren Bärenjäger. Über dem Lagerfeuer wurde noch leckerer Bärenschinken für den Winter geräuchert. Ja, bei Tanaka und seinem Stamm war immer was los.
Von Lukas Mairon (12 Jahre)
Hallo, ich bin Ruluwullu und bin 11 Jahre alt und lebe im Stamm Rulowos. Ich bin ein hervorragender Jäger und Geschichtenerzähler. Mein Vater ist der Häuptling unseres Stammes. Meine Mutter ist gestorben als ich drei Jahre alt war. Sie soll sehr nett gewesen sein. Mein Stamm ist eine Art große Familie. Unsere Felder sind voll mit goldgelben Ähren und wir Jäger kehren jeden Tag mit reicher Beute heim. Wir haben ein Haus nur für die Essenslagerung. Und wir haben etwas Tolles herausgefunden: Wenn wir im Winter Schnee in eine unterirdische Lagerkammer bringen und dann das Fleisch hinein tun, hält es viel länger. Und wenn man Hasen wenig Auslauf und viel Essen gibt, werden sie schön fett und dick. Unsere Schamanin kann fast alles heilen, aber sie sagt: “Der Tod ist etwas Natürliches und man sollte Menschen nicht mit Gewalt am Leben erhalten“.
Auch unsere Fischer fangen viel Fisch, den die Schamanin dann den Kranken und Verletzten gibt. „Das gibt Kraft“, sagt sie immer.
Wir hatten auch Nachbarn. Denen ging es schlecht. Ihre Felder brachten kein Korn, ihre Jäger fingen keine Tiere und die Fischer keinen Fisch. Aber als wir ihnen unsere Hilfe anboten, sagten sie, wir würden ihnen vergiftetes Essen geben. Aber manchmal, wir haben sie sogar dabei erwischt, stahlen sie unser Essen.
Eines Tages dann lag auf unserem Dorfplatz eine Steintafel, auf der stand:
„Ihr habt auf uns und unsere Felder einen Fluch gelegt. Dafür werden wir euch töten.“
Alle hatten Angst und wir gruben unseren Brunnen tiefer damit wir uns alle dort verstecken könnten. Doch dann schoss eine schöne warme Wasserfontäne empor. Einen Schutz bot der Brunnen nun nicht mehr.
Plötzlich flogen viele Brandpfeile in unser Dorf und trafen unsere riesige Theaterhütte. Sie brannte lichterloh. Da wurden wir so wütend, dass wir nun auf unsere Feinde losgingen und sie alle töteten. Von uns wurden dabei einige verletzt, aber niemand starb. Ich blieb unverletzt.
Unser Stamm stellte eine große Steintafel auf, auf der stand:
„Hier ruhen die, die sich für stark hielten!“
Seitdem lebt unser Stamm wieder in Frieden mit sich und der Natur. Wir haben auch wieder einen kleinen Nachbarstamm. Die Leute sind friedlich und haben auch schon manchmal unsere Schamanin um Hilfe gebeten. Sie haben natürlich gefragt, was die Steintafel zu bedeuten hat und ich glaube, sie werden uns nie angreifen.
Von Leonie König (10 Jahre)
Als ich letztens von einem lauten Geräusch aufwachte, war ich nicht mehr im Bett in meinem Zimmer, sondern in einer Hütte.
Ein Mann und eine Frau standen neben mir und sprachen ganz komisch auf mich ein. Sie hatten keine normalen Kleider an, sondern Felle umhängen.
Ich fragte sie: "Was redet Ihr da? Ich verstehe nichts."
Aber sie quasselten immer weiter. "Tua gona liga!", rief die Frau.
"Zum letzten Mal, sprechen Sie auch deutsch?", wollte ich wissen.
"Bina culda", meckerte der Mann.
Ich dachte bei dem Wort an Schnauze oder Klappe, aber wahrscheinlich täuschte ich mich.
Dann schlief ich wieder ein.
Am nächsten Morgen war ich immer noch in dieser Hütte.
Ich stand auf, ging hinaus und sah, dass ich in einem Wald war, wo es noch mehr von diesen Hütten gab, ein richtiges Dorf.
Nachdem ich ein paar Schritte gegangen war, traf ich einen Mann, der mich verstand.
"Was heißt: Bina culda?", fragte ich ihn. " Es heißt: "Sei still oder halte die Klappe", war die Antwort. Hatte ich doch richtig vermutet.
"Und was heißt: "Tua gona liga?"
"Das heißt: "Komm jetzt ins Bett."
Da wusste ich, weshalb die beiden Menschen in der Nacht gestritten hatten.
Der Mann hieß: Dr. David Huld, so stand es auf einem Schild an seinem Mantel. "Man nennt mich aber Pucki."
Er wohnte schon lange im Dorf und kannte sich sehr gut aus.
"Kennen Sie auch die Leute, die in der Hütte wohnen, wo ich herauskam?", wollte ich wissen.
"Na klar, ich kenne jeden, komm einfach mit."
Wir gingen zusammen durch das Dorf und trafen die Beiden, die ich in der Nacht vor meinem Bett gesehen hatte.
Pucki stellte sie mir vor: Der Mann hieß Moor und seine Frau Zick.
Sie hatten einen Sohn, den nannten sie: Schlauer Fuchs. Er war ungefähr so alt wie ich.
Moor und Zick nahmen mich mit in ihre Hütte und ich wohnte ab da bei ihnen.
Ich lernte ihre Sprache und sie meine.
Mit Schlauer Fuchs vertrug ich mich gut und wir wurden Freunde.
Als er 10 Jahre alt wurde, kam die ganze Verwandtschaft: Tante Ottie, Onkel Funde, Oma Lieh und Opa Engelrot.
Mir gefiel es ganz gut bei den Steinzeitmenschen, aber eines Tages bekam ich großes Heimweh nach meiner Familie und mußte schrecklich weinen.
Plötzlich merkte ich, dass jemand meine Wangen streichelte und fragte: "Was ist denn los, hast Du schlecht geträumt?"
Da wachte ich auf, sah meine Mutter und wußte, ich hatte alles nur geträumt.
Eigentlich schade!
Einst, vor vielen tausend Jahren, lebte der Stamm der Akamaraunen. Seit vielen Generationen hatten sie als Nomaden gelebt. Die anderen Stämme, alle einstige Nomaden, hatten mit der Zeit feste Wohnsitze erwählt und Dörfer errichtet.
Eines Tages sprach ihr Häuptling Moräno zu ihnen: "Liebe Brüder, liebe Schwestern. Das Leben als Nomaden ist vorbei. Alle anderen Stämme haben schon lange Dörfer errichtet. Wir werden hier und heute sofort damit beginnen, ein Dorf zu errichten. Das Leben als Nomade ist schwer und hart. Diese Stelle hier scheint mir geeignet, ein Dorf zu bauen. Hier gibt es im Norden einen Wald, dort können wir jagen. Im Süden ein Meer, dort können wir einen Hafen und Fischerboote bauen und fischen. Im Westen breitet sich eine Steppe aus, in der wir Gräser zum Weben und Büffel zum Jagen finden. Im Osten ist ein Moor, in dem es Lehm zum Häuser bauen gibt."
Der Stamm war begeistert. Sofort nahmen sie ihre Äxte und Messer und begannen im Wald Bäume zu fällen, um so die Grundmauern ihrer Häuser errichten zu können. Als sie genug Holz hatten, begann der schwere Teil der Arbeit. Sie schlugen Pflöcke in den Erdboden und bogen dünne, lange Ruten darum. Nach drei Tagen standen zwölf dieser Hausskelette. An einem besonders großen Haus arbeitete ein Mädchen. Es war Annannee, die Tochter des Häuptlings. Sie war stark und mutig, aber auch von weiblichem Stolz erfüllt. Sie half mit, wo sie nur konnte, trotz ihres geringen Alters von zwölf Jahren. Da zwölf Häuser für den Stamm reichten, mussten sie nun wetterfest gemacht werden. Sie rührten eine Pampe aus Lehm und Gräsern an. Die verteilten sie auf den Häusern.
Nach drei Wochen waren alle Häuser bewohnt und auf dem Dorfplatz flackerte ein munteres Feuer. Gegen Einbruch der Dunkelheit begann es zu gewittern. Es wurde immer schlimmer. Das Feuer auf dem Dorfplatz war vom Winde gepeitscht und griff auf das große Haus über. In kürzester Zeit war das ganze Dorf abgebrannt. Der Stamm war wieder heimatlos. Alle dachten an eine Naturkatastrophe. Nur nicht Annannee. Sie glaubte an Magie. Das hatte sie die alte Schamanin gelehrt. Diese war die einzige, die ebenfalls an Magie glaubte. Es konnte nicht sein, dass in der ersten Nacht das ganze Dorf ausbrannte.
"Weise Schamanin", fragte Annannee, "darf ich etwas fragen?"
"Sicher, mein Kind" ertönte die Stimme der Schamanin.
"Meinst du, der Gott Torasomo meint es schlecht mit uns?"
"Wie meinst du das?"
"Er könnte verärgert sein, dass wir nun das Nomadenleben aufgeben wollen", antwortete Annannee.
"Möglich. Wir bekommen das noch raus. Lass uns gleich morgen zum Berg der Götter gehen."
"Abgemacht, weise Schamanin."
Am nächsten Morgen packten sie Reisepakete und wanderten los. Gegen Mittag aßen sie ein wenig und wanderten dann weiter. Abends kamen sie am Berg der Götter an.
"Wir müssen uns beeilen, Kind." Die Schamanin trieb Annannee zur Eile.
Das Ritual, mit dem die Schamanin die Götter befragte, war kompliziert. Ein Kreis aus Steinen musste gelegt werden, vier Feuer entfacht und fünf Mäuseschädel zermörsert werden. Diese nahm die Schamanin vermischt mit Wasser ein. Es wurde Mitternacht. Die Schamanin begann zu tanzen und leise Sprüche zu murmeln. Annannee war begeistert. Sie hatte noch nie jemanden mit Göttern sprechen sehen. Bald war der Spuk vorbei.
"Kind, die Götter sind nicht böse", sagte die Schamanin. "Lass uns zurückwandern."
Weitere drei Wochen später stand ein neues Dorf an der Stelle. Dieses wurde nie zerstört und der Stamm lebte fortan glücklich und zufrieden.
Vor ungefähr 36000 Jahren gab es ein Mädchen namens Kosina. Sie wohnte mit ihrem kleinen Bruder und ihren Eltern zusammen. Der Stamm war klein und hieß Natio Malorum (das ist Latein und bedeutet: der Stamm der Äpfel), weil in der Umgebung ganz viele Früchte wuchsen.
Es war Herbst. Kosina war vor kurzem elf Jahre geworden. An einem wunderschönen Tag musste Kosina wieder Früchte sammeln. Da ihr neugiriger siebenjähriger Bruder Pillu immer mit ihr zusammensein wollte, kam er dies Mal wieder mit. Mit ein paar Ledertaschen gingen sie los.
Nach einigen Stunden hatte Kosina schon ganz schön viele Früchte in den Taschen. Da drehte sie sich um und sagte: "Pillu, wir gehen nach Hause!" Aber er war nicht da. Besorgt dachte Kosina. "Wo steckt er? Normalerweise ist er immer hinter mir. Wo ist Pillu?" Sie sah sich um. Plötzlich hörte sie ein Geräusch und sah, dass irgendwas sich hinter einem Baum bewegte. "Da habe ich dich, Pillu!" dachte sie zufrieden und lief zum Baum. Doch da war nur ein Kaninchen. In diesem Moment sprang ein Tiger hervor. Er starrte Kosina an. Langsam kam er näher und näher und näher und... Erschrocken dachte Kosina:" Oweija, Pillu finde ich wohl nie mehr." Genau in diesem Augenblick bewegte sich das Kaninchen und rannte weg. Der Tiger rannte dem Kaninchen hinterher. "Glück gehabt", dachte Kosina und suchte weiter ihren Bruder. Kurz danach fand sie ihn hinter einem Apfelbaum, wo er konzentriert mit den Käfern spielte. Kosinas Kommen bemerkte Pillu gar nicht. Als Kosina erleichtert: "Da bist du ja, Pillu!", sagte, bekam er einen schönen Schock und stotterte: "Mü, müssen wir schon weiter?" Überrascht sah ihn Kosina an und antwortete: "Nein, wir müssen nach Hause."
Auf dem Weg nach Hause erzählte ihm Kosina was sie erlebt hatte und aß dabei kleine süße Wildäpfel, die Pillu noch gesammelt hatte.
Von Maximilian Merz (10 Jahre)
"Du bleibst hier!", hatte sie gesagt.
Kurulus war total sauer.
"Das motzen hilft dir auch nicht mehr, Kurulus", meinte Astrono.
"Du hast leider Recht", Kurulus senkte die Stimme. "Und deswegen verschwinde ich heimlich!"
"Aber das geht nicht. Außerdem wüsste ich gern, warum du weg willst." flüsterte Astrono.
"Weil mein Vater gesagt hat, dass ich ausziehen soll in das Land der Freude!"
Astrono meinte bestimmt: "Dann komm ich aber mit!"
In der Nacht schleichen zwei Jungen aus dem kleinem Dorf. Auf einmal sagt der eine: "Woher weißt du eigentlich, dass wir in die richtige Richtung laufen?"
"Mein Vater hat mir alles ganz genau beschrieben: Zuerst nach Norden, nach zwei Tagen Richtung Westen, und dann an dem..."
"Okay, aber wie wärs, wenn wir (Gähn) erst einmal schlafen? (Gähn) Ich bin schon (Gähn) richtig müde."
"Hast Recht. Schau mal, sieht das Moos nicht gemütlich aus? Lass uns da schlafen." Gesagt, getan. Schon schlafen die beiden.
Am nächsten Morgen wird Kurulus von Astrono geweckt. Zweitgenannter rüttelt Kurulus und fragt, was sie eigentlich im Land der Freude machen sollen. Kurulus meint, so etwas darf man getrost auf morgen verschieben. Sie fangen an, weiter Richtung Norden zu laufen. Nach zwei Tagen biegen sie ab nach Westen. Noch einmal zwei Tage, dann entdecken sie einen Graben, gut 1000 Meter tief, 10 Meter breit, springen lebensgefährlich.
"Und jetzt?" fragte Astrono.
"Das unsichtbare Seil. Daran können wir uns rüberhangeln." erklärte Kurulus. "Aha, hier ist es."
Er prüfte, ob das Seil sicher befestigt war. Dann holte er tief Luft, und hängte sich an das Seil. Das Seil zerriss - nicht. Astrono hängte sich hinter Kurulus an das Seil. Die beiden hangelten sich hinüber, und betraten das Land der Freude. Dort lebten Kurulus und Astrono bis an ihr Lebensende.
Von Rico Herzog (10 Jahre)
Wolfsgesicht, auch Wolfie genannt, saß in einer Art Bunker des Stamms der Wilden Götter. Er war etwa 11 Jahre alt, sehr groß und hatte kurze, schwarze Haare. Der Stamm der Wilden Götter hatte sich seit kurzem in einen brutalen Krieg verwickelt. Wolfsgesicht's Dorf wurde gestern abgefackelt und alle Kinder mit ihren Müttern waren in diesen Bunker geflüchtet. Hier war es schäbig und klein, so dass sie sich eng zusammendrücken mussten.
Plötzlich hörte er Schritte. Es donnerte durch den ganzen Raum. Mindestens hundert Kinder schmiegten sich an ihre Mütter, die ihnen schützend den Arm um die Schulter legten. Wolfie hatte seine Mutter im Krieg verloren und seinen Vater auch. Nun war er ganz und gar auf sich gestellt. Wieder hörte er Schritte. In der Tür des Bunkers stand ein feindlicher Krieger, der klein aber bullig war. Er stürzte sich auf einmal in den Bunker und schleuderte seinen scharfen Speer auf Ninki, Wolfies besten Freund. Ninki sprang flink zurück, aber der Speer durchbohrte ihm trotzdem den linken Arm. "Ah!" schrie Ninki. "Hilfe!" Wolfsgesicht sprang schützend vor den kleinen Ninki, doch der Krieger warf sein Beil auf Wolfsgesicht. Es war ein Stein, der an einen Holzpflock gebunden war. Nun ging alles sehr schnell. Wolfi, schwer verletzt, sackte zu Boden und flüsterte den anderen zu: "Passt auf euch auf!" Dann wurde er bewusstlos.
Als er wieder aufwachte, lag er auf einem strohbedeckten Boden. Neben ihm lag Ninki. Er schien immer noch bewusstlos zu sein. Oder war er sogar tot? Nein, daran wollte Wolfsgesicht gar nicht denken. Wo waren sie überhaupt ? Wo befanden sich die anderen ? All diese Gedanken spielten sich in seinem Kopf innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde ab. Plötzlich spürte er einen stechenden Schmerz an seinem Bauch. Er hob seine schmutzige Lederkleidung hoch, (denn schließlich trug man so etwas in der Urzeit), und sah eine tiefe Schnittwunde, die immer noch blutete. "Ah, deswegen war mein Leder so rot!", dachte sich Wolfie. Inzwischen war auch Ninki aufgewacht, und zusammen heckten sie einen Fluchtplan aus. Als ein Wächter in die Zelle hineinkam versuchten beide zu fliehen. Aber der Wächter hielt sie zurück und schrie: "Yvine! Ku vu du zudeppen!" Völlig unerwartet griffen die beiden 11-jährigen noch einmal an. Diesmal schafften sie die Flucht und rannten blindlings in einen Gang hinein. Was sie nun vor sich sahen, verschlug ihnen die Sprache: Ein riesiges Labyrinth! Sie rannten ohne darüber nachzudenken hinein. Nach zwei Stunden wussten sie: Sie hatten sich verirrt. Auf einmal sahen sie einen Wassergraben. Sie sprangen samt Kleidung hinein und tauchten unter. Wolfsgesicht erblickte etwas Gold-Glitzerndes und tauchte nach dem Ding. Es war ein Schatz. Mit vereinten Kräften hoben sie ihn hoch und kauften sich damit frei. Auch der Stamm der Wilden Götter wurde freigekauft.
Später wurde Ninki Häuptling und beide Freunde bekamen Kinder.
Von Jonas Lerch (11 Jahre)
Draußen vor dem Höhleneingang schneite es ununterbrochen.
Ich stand von meinem Schlaflager auf. Draußen im Schnee sah man noch die Spuren
des heftigen Kampfes von gestern, als uns die Krieger des Manutus Stammes angegriffen hatten.
Schilder abgebrochene Äxte und jede Menge Pfeile.
In der kleinen Nebenhöhle neben dem Höhleneingang stand meine Mutter über den
großen Kessel gebeugt, neben meinem Vater, dem Stammeshäuptling.
Meine Mutter sagte: "Die Männer müssen wieder auf die Jagd gehen, wir haben nicht mehr viel
Nahrung".
Mein Vater erwiderte: "Ich werde sie sofort losschicken" Und er ging aus der Nebenhöhle um es den Männern zu sagen.
Kurze Zeit später stürmten die Jäger unter großem Geschrei hinaus.
Kurz nachdem sie weg waren, sah ich durch das dichte Schneetreiben eine gebückte Gestalt,
die auf die Höhle zukam. Schnell versteckte ich mich hinter einem Felsblock in der Nähe des
Eingangs. Als die Person näher kam, erkannte ich mit Schrecken, dass es die Schamanin des
Manutus Stammes war.
Mit schweren Schritten näherte sie sich der Höhle.
In der Höhle ging sie schnurstracks auf meinen Vater zu und brüllte ihn an: "Verflucht seid ihr,
ihr werdet kein einziges Tier mehr fangen. Das ist die Rache dafür, dass ihr uns geschlagen
habt".
Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand wie sie gekommen war.
Mein Vater und alle anderen waren sprachlos. Als sie ihre Stimme wieder gefunden hatten,
redeten sie alle durcheinander.
Mein Vater und die anderen übrigen Männer, die sich noch in der Höhle befanden holten
ihre Bögen und rannten nach draußen, um zu Jagen, weil sie nicht glauben wollten, dass sie nichts
mehr fangen würden.
Aber als sie niedergeschlagen zurückkamen, hatten sie noch nicht einmal einen Hasen
gefangen. Am Abend hatten wir nichts zu essen, auch am darauffolgendem Tag nicht.
Die Menschen unseres Stammes wurden immer unzufriedener.
Sie murrten bei jeder Sache und lagen den ganzen Tag nur auf ihren Schlaflagern.
Am Morgen des zweiten Tages an dem wir hungern mussten, nahm mich unsere
Schamanin beiseite, und sagte: "Wolffuss, wenn wir den Fluch brechen wollen, musst du mit
diesem Bogen und diesem Pfeil ein Tier erlegen, der Pfeil und der Bogen ist mit einem Trank eingestrichen den ich erst heute Nacht bei Vollmond herstellen konnte. Ziele genau, denn wenn
du danebenschießt, verliert der Pfeil und der der Bogen seine Wirkung und weil ich erst
wieder beim nächsten Vollmond einen neuen Trank brauen könnte, müsste unser Stamm verhungern."
Ich nahm beides entgegen und ging aus der Höhle um meinen Stamm zu retten.
Der Schnee lag sehr hoch und weil ich so wie so schon geschwächt war, kam ich nur langsam voran.
Ich kam zu einem kleinem Hügel, kletterte hinauf und wartete. Mein Warten wurde nach kurzer
Zeit belohnt als ein Fuchs kam und sich in den Schnee setzte.
Sofort holte ich Pfeil und Bogen. Ich legte den Pfeil auf die Sehne und spannte den Bogen
biss er fast riss. Jetzt lag die Zukunft unseres Stammes in meinen Händen.
Als ich mir ganz sicher war, dass ich traf ließ ich den Pfeil los.
Genau in diesem Augenblick schrie ein Vogel und der Fuchs sprang erschrocken zur Seite.
Der Pfeil verfehlte sein Ziel und traf den Schnee und blieb im Schnee stecken.
Ich hatte versagt.
Niedergeschlagen ging ich vom Hügel runter. Ich zog den Pfeil aus dem Schnee und wollte ihn schon
in die Tasche stecken, als ich merkte, dass an seiner Spitze Blut klebte. Sofort fing ich an im Schnee zu graben.
Vielleicht war doch noch nicht alles verloren. Im Schnee fand ich einen toten Säbelzahntiger, der sich im Schnee
zum Schlafen gelegt hatte.
Ich nahm den Säbelzahntiger auf die Schulter und trug ihn zur Höhle.
Dort wurde mit ich mit großen Jubel entfangen. Der Säbelzahntiger wurde gebraten und ich bekam das größte Stück.
Wir feierten bis spät in die Nacht und alles drehte sich nur um mich.
Am nächsten Morgen kehrten unsere Jäger mit großer Beute von der Jagd zurück.
Seit dem musste unser Stamm nie mehr Hunger leiden.
Von Lena Beisel (12 Jahre)
Tiopi stand auf einem Felsen, ihre langen, schwarzen Haare hingen in geflochtenen Zöpfen herunter. Sie trug ein knielanges Hirschledergewand, bestickt mit Türkisen und Perlen. Zwei Adlerklauen baumelten an ihrem Ärmel. Der Schädel eines Wiesels thronte auf dem Kopfschmuck. Bunte Bänder waren in ihr Haar geflochten. Ihren Bogen in der Hand stolzierte sie über einen Felsen. Ihre Augen hafteten auf einer Herde Mammuts, die über das dicke Eis zogen. Ihr zahmer Adler kreiste über ihrem Kopf. Sein Geschrei halte an den Felswänden wieder.
Die Sonne hatte den Horizont schon fast erreicht und Tiopi machte sich langsam auf den Weg nach Hause zu ihrem Stamm. Als sie vor der Höhle stand, hörte sie die Männer des Stammes laut diskutieren. Als sie jedoch herein trat verstummten ihre Stimmen. Manche Gesichter der Männer sahen sie voll Erfurcht an, andere jedoch nur missbilligend. Kokopelli der Jagdhäuptling stand in der Mitte. Kokopelli drehte sich zu Tiopi um, seine dunklen Augen funkelten böse im Licht des Lagerfeuers.
Dann fuhr er fort: "Wie ihr sicher alle wisst, haben unsere Jäger seit Wochen kein Wild mehr nach Hause gebracht. Ich betete zu den Göttern und sie haben mein Flehen erhört".
"Heute nacht", seine Stimme wurde lauter, "da haben mir die Götter eine Vision geschickt. Ich sah Tiopi, wie sie zu den bösen Geistern betete. Die Geister erhörten sie. Sie ist diejenige, die das Wild verhext hat, sie hat die Dürre gebracht, sie ist Schuld am Tod vieler Kinder, sie ist eine Dienerin der bösen Geister."
Ein Raunen ging durch die Menge, dann erhob sich ein Mann.
"Wenn Kokopelli sagt, er habe eine Vision erhalten, dann glaube ich ihm. Meine Frau ist tot und sie hat sie getötet. Und nicht nur meine Frau, sondern auch viele von euch. Also tun wir das, was sie uns angetan hat, töten wir sie!"
Die Männer, die nun laut brüllend aufstanden, schnappten sich ihre Waffen und Fackeln. Tiopi rannte in den nahen Wald und die Männer hinter her. Ihre Füße schmerzten und ihre Angst war groß. Kurz hinter ihr waren die Männer. Sie rannte und achtete nicht richtig auf den steilen Weg. Plötzlich ging es vor ihr steil die Klippen hinunter zu einem Fluss. Sie zögerte, doch dann sah sie die Männer mit den Fackeln, die auf sie wie wilde Tiere losgingen und sie machte die Augen zu und sprang.
Sie landete dicht neben einem Felsen. Die Strömung zerrte sie mit sich und in der zunehmenden Dunkelheit schwamm sie mit letzter Kraft ans Ufer, wo sie erschöpft liegen blieb und einschlief.
Als sie aufwachte beugte sich ein junger Mann über sie. Sein langes braunes Haar lag auf seiner Schulter. Erschrocken sprang sie auf, doch sie knickste wieder ein. Sie hatte sich beim Sprung über die Klippe ihren Knöchel verletzt. Der Mann half ihr aufzustehen.
"Wie heißt du?" fragte er.
"Tiopi" sie blickte um sich "Ich muss weiter" sagte sie.
Sie stand auf und humpelte. Der Mann sah sie an.
"Ich kann dir helfen - wo musst du hin? Hast du dich verirrt, zu welchem Stamm gehörst du?"
"Zu keinem, ich muss zum Haus der Sonne, wo meine Mutter -die große Schamanin- begraben ist. Dort ruht ihre Seele."
"Das liegt zwar weit weg ,aber ich könnte dir helfen."
"Nein danke!"
Da versuchte doch tatsächlich einer ihr zu helfen - einer Abtrünnigen. Wie dumm musste einer sein, er würde auch als Diener der bösen Geister bezeichnet, wenn er ihr helfen würde. Sie ging weiter, zu dem Eispass war es noch weit. Der Mann ging ihr hinterher. Er zog einen Travilon hinter sich, der beladen mit Essen war. Da bemerkte sie, dass sie Hunger hatte - großen sogar, doch sie ging weiter. Wenn sie sein Hilfe annehmen würde, bekäme sie ihn nicht mehr los. Also ging sie weiter. Es war Abend geworden, Tiopi machte ein Feuer, indem sie zwei Feuersteine aneinander schlug. Sie würde morgen früh über den Eispass ziehen während er noch schlief. Sie legte sich hin. Am nächsten Morgen wachte sie auf, als der Mann das Feuer ausmachte und das Essen zusammenpackte. Sie hatte verschlafen. Doch sie stand auf und ging los - er folgte ihr. Es wurde immer kälter und eisiger - ein Schneesturm tobte.
Es vergingen Wochen und Monate und es wurde Frühling. Das Eis schmolz und vor ihnen lag das Land der Fallenden Wasser. Nun war es nicht mehr weit. Sie würden noch einen Tag brauchen, dann wären sie am Haus der Sonne angelangt. Tiopi und Owa -das hieß "Fels"- hielten sich wacker. In all den Monaten hatte die Natur sie zusammengeschweißt und sie waren Freunde geworden. Sie kamen in einen Wald. Owa ging jagen, während sie Feuer machte um das Essen zuzubereiten. Dann hörte sie einen Schrei - er kam von Owa! Tiopi folgte einer Blutspur bis sie Owa verletzt an einem Baum liegen sah. Dann sah sie einen mächtigen Bären. Sie nahm ihren Speer, den sie immer bei sich trug, und lenkte damit die Aufmerksamkeit des Bären auf sich. Der Bär erhob sich auf die Hinterbeine und zeigt seine volle Größe. Tiopis Herz raste und ihre Hände schwitzten - sie hatte schreckliche Angst. Dann schlug der Bär ihr mit der Vordertatze den Speer aus der Hand und wollte sie mit einem Prankenhieb töten, als er plötzlich einen lauten Schrei losließ und tot umfiel. Owa zog den Speer aus dem Bären und umarmte Tiopi. Die Beiden packten ihre Habseligkeiten und rannten zu ihrem Lager zurück. Tiopi stützte den stark blutenden Owa. Wenn die anderen Stämme den toten Bären finden würden, würden sie die Eindringlinge bemerken, die ihre Jagdbeute getötet hatten.
In der Nacht hatte Tiopi eine Vision. Sie solle zu ihrem Stamm zurückziehen und nicht weiter der Seele ihrer Mutter nachtrauern. Sie solle den Männern ihres Stammes vergeben. Tiopi sah in einem hellen Licht ihre Mutter, die ihr eine Kette überreichte. Diese sollte das Wissen der Schamanin beinhalten. Als Tiopi aufwachte, spürte sie diese Kette um ihren Hals und überlegte, ob sie Owa von ihrer Vision erzählen sollte. Sie entschied sich dafür, es ihm zu erzählen. Zusammen überlegten sie sich wieder zurück zu ihrem Stamm zu ziehen, so dass Tiopi ihre Bestimmung als Schamanin ausüben konnte.
Der Herbst ging wiederum ins Land und nach ihm ein eiskalter Winter. Als der Frühling nahte, kamen Tiopi und Owa bei ihrem Stamm an und die Vision sollte sich erfüllen...